Donnerstag, 23. September 2010

Bier


Große alte Bäume ziehen an mir vorüber. Ich kann sie kaum wahrnehmen. Sollte das meine erste Erfahrung mit Rassismus gewesen sein?
Das Auto fährt schnell. Fast 80 Meilen in der Stunde. Zielstrebig fährt der geräumige Minivan in die Dunkelheit. Er kennt sein Ziel nicht und ich, der Beifahrer, kenne es auch nicht. Es ist mir auch egal. Bleiern liegt der Geruch von Benzin auf meiner Lunge und zwischen meinen Zähnen knirscht ein Körnchen texanischen Sandes. Es ist wahrscheinlich jener rote Sand, der hier die Landschaft prägt und einem seit gestern das unbeschreibliche Gefühl verschafft, endlich im Wilden Westen angekommen zu sein.
Da sind immer wieder diese Bäume. Bäume, die so hoch und alt sind, dass sie die Heimat nicht kennt. Doch jetzt sind sie nur noch schwere und endlose Schatten. Die Sonne lässt sich kaum mehr erahnen. Sie ist bereits hinter dem Horizont verschwunden. Ganz beiläufig kommt mir der Gedanke in den Kopf, dass sie ja im Westen untergeht . Im Westen? Manifest Destiny. Aber gilt das nicht auch heute noch für jeden? Also kann ich im Westen doch nicht falsch oder fremd sein? Wieder reift die Wut und die Hilflosigkeit im Bauch zu einem großen schwarzen Ball heran, der einen zu verschlingen droht.
Im Augenwinkel werden die Bäume nun immer lückenhafter und geben für den Bruchteil einer Sekunde den Blick auf die endlosen Felder und Wiesen frei, die das letzte Sonnenlicht so krampfhaft festzuhalten scheinen. Ab und an kann man auch eine der wuchtigen Ölförderpumpen in der Dunkelheit erahnen, die sich in stoischer Ruhe auf und ab bewegen. Das hier ist Ölland. Es ist eine seltsame Symbiose, die Natur und Technik so bereitwillig eingehen. Aber das Land ist so groß. So unfassbar groß. Die Natur, die überall mit ihrer Unberührtheit lockt, ist allgegenwärtig. Dem Deutschen fehlt die gewohnte Ordnung in der Natur und oft fühlt man sich verloren oder wie auf einem anderen Planeten.
Doch alles was um mich herum passiert, setzt meine Gedanken nicht frei. Welchen Grund mag der Verkäufer wohl gehabt haben, uns so zu behandeln? War es nur die Tatsache, dass wir Deutsche sind oder vielleicht doch mehr?
Mit großer Freude habe ich den Liquor Store betreten. Vorfreude, um genau zu sein. Endlich mal ein Bier mit ein paar neuen Freunden trinken – und dann das.
Strahlend und verheißungsvoll haben uns die bunten Lichter des gut sortieren Alkoholgeschäfts empfangen, als wir den Laden betraten. Schon nach wenigen Sekunden hatten wir gutes deutsches Bier in einem der Regale ausgemacht. Ein Stück Heimat in der Fremde. Zielsicher griff ich nach einem Karton mit 12 deutschen Bieren, während der Rest der Gruppe sich noch im Laden umsah. Auf dem Weg zur Kasse spürte ich wie die Kälte aus dem Bier in meine Hand fuhr, was die Vorfreude noch steigerte. Es war eine seltsame Atmosphäre in diesem Laden, der ausschließlich Alkohol verkauft. Das künstliche Licht tauchte all die Spirituosen, die vom Frost der Kühlanlagen überzogen waren, in eine funkelnde Hülle. Reglos schauten die Angestellten, die neben unserer Gruppe die einzigen im Laden waren, unserem Treiben zu. Als ich an der Kasse angekommen war und Ware auf dem Tresen abgelegt hatte, wurde mir die obligatorische Frage nach einem Ausweis gestellt.
Der Mann hinterm Tresen war alt. Ein grauer Dreitagebart und eine Randlosebrille waren das einzig markante an seiner Erscheinung. Zunächst sah er mich noch mit der vertrauten Südsaatenfreundlichkeit in seinem Gesicht an, als er einen Blick auf meinen Pass geworfen hatte und ihm klar wurde, dass kein Amerikaner vor ihm stand, sondern ein Deutscher, war es mit der Freundlichkeit vorbei. Er gab mir unmissverständlich zu verstehen, dass er an uns kein Bier verkaufen wird. Als mein Freund Miles sich einmischte und mit einer schwungvollen Bewegung den hastig gezückten, amerikanischen Führerschein auf den vergilbten Tresen manövrierte, ging ich für einen flüchtigen Moment davon aus, dass die Situation gerettet sei.
Doch ich lag falsch. Schon im nächsten Augenblick wurde der Kreis, der nicht zum Kauf berechtigten Ausländer, um Amerikaner aus Mississippi erweitert. Fassungslos blickten wir einander an. Was passierte hier? Als ich freundlich aber bestimmt darauf hinweisen wollte, dass alle Pässe gültig sind und er keinen Grund hat uns den Handel derart zu erschweren, fuhr mir der greise Kassierer ins Wort und erneuerte seinen Standpunkt. Kein deutsches Bier für Deutsche. Mit einem retardierten Gespür für die Gefährlichkeit der Situation versuchte ich weiterhin mein Glück.
Der alte Herr machte einen Schritt nach vorn. Unmittelbar fuhr es mir wie ein kalter Schauer den Rücken hinunter. Der nächste Schritt in dieser Diskussion ist die Waffe, die er unterm Tresen hervorholt.
Schnell. Schnell raus. Zwei, drei große Schritte und die automatische Tür ging auf. Wie automatisch bewegten sich auch meine Lippen. „This is racism!“(Das ist Rassismus)  suchte ganz von allein und unwillentlich seinen Weg tief aus meinen Lungen und durch meinen Mund in die kühle Luft des sterilen Alkoholladens. Verwundert schauten meine Freunde mir nach, nur um im nächsten Moment selbst die Flucht zu ergreifen.

Und nun?
Jetzt scheint das alles so fern zu sein. Doch der Groll sitzt tief. Alles zieht an mir vorbei und ich weiß nicht, was ich denken soll. „Glück im Unglück“, schießt mir in den Kopf, aber das passt nicht wirklich. Es ist eine Erfahrung und die spiegelt nicht das, was man sonst erlebt. Es ist eine Erfahrung und die ist wertvoll.

Mittwoch, 8. September 2010

Uni, neue Freunde und dann Texas

Es ist ja nun schon eine Weile her, dass ich die Heimat das letzte mal mit Informationen versorgt habe. In letzter Zeit habe ich mich vor allem mit dem Studium beschäftigt und den Kampf gegen die Pfunde aufgenommen.


Das DVD-Workout P90X ist fester Bestandteil meines Tages geworden.
Nach zwei Wochen Studium und vielen neuen Bekanntschaften, ging es für mich mit einigen neuen Freunden über das lange Labor-Day-Wochenende nach Texas.



Als wir zunächst im Stau standen, weil wir nicht alleine das lange Wochenende für einen Kurzurlaub nutzten, konnte ich mir ein Bild davon machen, wie der Ungeduldige in den USA auf einen Stau reagiert. Insgesamt 51 Fahrzeuge fuhren über den Mittelstreifen auf die Gegenspur um nicht im Stau zu stehen.
Und dann waren wir in Texas oder besser gesagt im Wilden Westen. Zwischen Pferden und Pickup-Trucks auf roter texanischer Erde lachte das Cowboyherz dann endgültig.















Kaum in Texas, machten wir uns auf den Weg und schauten uns ein Rodeo an.
Das sah dann so aus:
oder eben auch so:

Als uns dann das Bargeld ausging konnten wir erste Erfahrungen im Umgang mit einem befahrbaren Geldautomaten machen. Das müssen wir aber noch üben.


Nachdem wir uns mit dem passenden Kleingeld versorgt hatten, fuhren wir aus einen der größten Flohmärkte, der USA der mit 28 Meilen Verkaufsständen werben kann. Da der Amerikaner nicht gerne geht, gibt es auch eine Möglichkeit sich vorübergehend mit einem elektrischen Rollstuhl auszurüsten.


Auf einem texanischen Flohmarkt ist der Verkauf von Feuerwaffen eine Selbstverständlichkeit.


















Noch am selben Abend dürften wir dann mit einer Dreijährigen ihren Geburtstag feiern.


 Anschließend wurden wir dann noch im Mustang nach Hause bzw zurück zu unsrer Unterkunft gefahren.


















Hier ist nochmal die gesamte Reisegruppe.


Natürlich konnte man sich dem Studium nicht für ein ganzes Wochenende entziehen, so dass man gelegentlich auch mal in ein Buch schauen musste.


Und noch ein Bild von mir und meiner deutschstämmigen Gastgeberin Mandy.


Am nächsten Tag fuhren wir dann an einen nahegelegenen See.
























Am Abend konnten die Deutschen dann ihre Kochkünste unter Beweis stellen und wie schon zuvor in Tennessee gab es auch in Texas wieder Schnitzel.



Beim anschließenden Risikospiel machte das Team Deutschland seinen Platz an der Sonne geltend und konnte am Ende sogar die Weltherrschaft durchsetzen.


Labor Day bot uns dann die Gelegenheit Texmex zu essen und auf dem Weg zurück nach Mississippi nocheinmal in ein Einkaufszentrum zu gehen.



















Zum Schluss noch ein Schnappschuss vom Highway:

Samstag, 21. August 2010

Das Wohnheim


Ich blicke auf den Boden eines langen Flures. Den ganzen Tag über, konnte ich hören, wie das Reinigungspersonal mit schwerem Gerät poliert und geputzt hat. Das Stimmengewirr, welches mich durch meine Zimmertür stundenlang begleitete und irgendwann zu einem vertrauten Umweltgeräusch wurde, ist inzwischen verstummt.

Nun starre ich fasziniert auf die vielen blauen Plastikfliesen, die in verspielten Ornamenten glänzen, als ob jede einzelne die persönliche Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich ziehen will. Nachdem den ganzen Tag über unzählige Schichten Wachs aufgetragen wurden glänzt dieser Boden, der mich noch am Vorabend so unansehnlich an eine Herrentoilette am Busbahnhof erinnerte, so als hätte er nie etwas anderes gemacht. Das Licht der Leuchtstoffröhren der Deckenbeleuchtung wird nun ungebrochen vom Boden zurückgeworfen und lässt den Flur des amerikanischen Studentenwohnheims plötzlich viel heller, ja fast freundlich, wirken. Einzig der schwere Duft der Weichmacher und Reinigungsmittel erinnern noch an die Arbeit, die ein gutes Dutzend Angestellter heute vollbracht haben.

Es ist Abend und der Abend ist die beste Zeit um auf Erkundungstouren zu gehen. Die Hitze der Mittagssonne ist nur noch ein Gedanke. Ein Gedanke an das Damoklesschwert, das hier im Süden der USA seit Tagen über uns schwebt. Pflichtbewusst und aus Sorge um mein Eigentum in der noch fremden Umgebung, mit den namenlosen Nachbarn, die einem freundlich strahlend am Vorabend im Flur begegnet sind, verriegle ich die schwere Buchenholztür zu meinem Zimmer. Das Schloss schließt nicht wie in der Heimat und ich muss mich selbst überprüfen um sicher zu gehen, dass die Tür wirklich verschlossen ist.

Ich richte noch einmal meinen Cowboyhut und überprüfe, ob ich auch die Türkarte, die ich zum öffnen der elektronischen Eingangstür benötige, in meiner Hosentasche habe.

Der Flur wirkt wie ausgestorben. Überhaupt ist es still. Nachdem es den ganzen Tag so störend laut war, ist es nun still. Die Nachbarn, deren Namen mir noch nicht bekannt sind, sind schon auf ihren Zimmern und machen sich wohl bereit zu Bett zu gehen. Es ist noch nicht spät, grade einmal 23 Uhr.

Mir schießt der Gedanke in den Kopf, dass es in der Heimat ja nun schon wieder Morgen ist und sogar ein anderer Tag. In Gedanken versunken gehe ich den Flur entlang. Nur vor dem Zimmer mit der Nummer 241 werde ich noch einmal aus meinen Gedanken geholt. Hier wohnt Max denke ich mir und freue mich, dass nicht alles fremd ist in der neuen Umgebung. Ich öffne die stählerne Brandschutztür, an der viele bunte Zettel über die Veranstaltungen der nächsten Tage informieren.

Der Raum den ich nun betrete ruft in meinem Kopf unweigerlich die Titelmusik zum „Herr-der-Ringe-Film“ ab. Edle, mit Stuck besetzte und in einem frischen Weiß getünchte Säulen erheben sich majestätisch in die Höhe. Auf ihrem oberen Ende sitzt eine Kuppel, bei deren Anblick ich vor Staunen meinen Mund öffne. Der gigantische Kuppelbau bildet das Zentrum unserer Wohnanlage. Auf drei Ebenen präsentieren sich einladend die schweren Lesesessel, die an den Geländern zum Mittelkreis unter der Kuppel stehen. Ich blicke aus dem ersten Stockwerk nun sowohl nach unten als auch nach oben und bewundere ehrfürchtig, wohin es mich nun wieder verschlagen hat.

Ich schreite alle Flure ab und bewundere die Möglichkeiten, die mir dieses riesige Gebäude bietet. Die große Gemeinschaftsküche, in der ich zu meinem Entsetzen weder Gewürze noch Kochgeschirr finde. Was will man auch in einem reinen Männerwohnheim erwarten?

Den Eisspender, der zu jeder Tages und Nachtzeit zentnerweise gefrorenes Wasser bereit hält. Die wuchtigen Getränke- und Snackautomaten, die es einem sogar erlauben auch den minimalen Betrag von 0,75 $ mit der Kreditkarte zu bezahlen.

Beeindruckt vom Gesehenen verlasse ich das Gebäude und befinde mich wie immer in einer anderen Welt. Die kühle klimatisierte Welt des Wohnheims liegt jetzt hinter mir und vor mir erstreckt sich die endlose Dunkelheit, die einen nicht grade verwöhnt. Nein, vielmehr steht auch zu später Stunde noch die Luft. Ich habe den Eingangsbereich noch nicht verlassen, weil ich mir noch unsicher bin, ob ich mich heute noch einmal der Hitze aussetzen will. Die Dunkelheit ruft nach mir. Das Geschwirr von unendlichen Heerscharen verschiedenster Käferarten lässt die Nacht erwachen und wird nicht einmal durch den Verkehrslärm des nahegelegenen Highway durchbrochen, der ohnehin zu dieser Stunde bereits eingeschlafen ist. Überhaupt ist kein Mensch unterwegs und plötzlich ist man allein. Man ist allein mit der Welt, der Natur und der Dunkelheit, die nur vereinzelt durch fernes und blasses Licht und das beständig lauter werdende Konzert der Käfer durchbrochen wird. Diese Käfer liefern einem die Geräuschkulisse für einen Abenteuerfilm im Dschungel. Aber ich stehe nicht im Dschungel. Ich stehe einen Meter vor der Tür zum Wohnheim und blicke auf das verlassene Volleyballfeld, die Campusgebäude und Parkplätze, die sich nur schwer in der Dunkelheit ausmachen lassen. Ich spüre, wie die Hitze in meinen Körper dringt. Die Lungen füllen sich bei jedem Atemzug mit schwerer heißer Luft und ich entscheide mich wieder auf mein Zimmer zu gehen.

Ich sollte das Wochenende genießen. Die Orientierungswoche, in der ich meinen Stundenplan zusammengestellt und andere organisatorische Dinge erledigt habe, liegt hinter mir. Das Wochenende liegt vor mir.

Die Heimat erwacht und ich gehe zu Bett. Am Montag beginnt der offizielle Teil und das Studium wird an Fahrt gewinnen.


Freitag, 20. August 2010

Der erste Eindruck und der zweite Blick



Der Körper gewöhnt sich langsam an das Klima, welches die Heimat nur aus Erzählungen oder Filmen kennt. Mit einer seltsamen Vertrautheit erwartet man das drückende Gefühl, das einen freundlich wärmend und im Einklang mit satten Sonnenstrahlen erwartet, wenn man die klimatisierten Automobile oder Gebäude verlässt.


Umgekehrt sehnt man den Moment herbei, der einen so schlagartig und total aus der lähmenden Mittagshitze entführt und einem das Gefühl verschafft, durch nur einen Schritt in den Eingangsbereich des örtlichen Walmarts, den Gipfel der Zugspitze erreicht zu haben.

Die Eindrücke, welche einem die vergangene Woche so farbenfroh und intensiv geboten hat, mündeten in manchen Augenblicken in einer Reizüberflutung, die man kaum in Worten oder Bildern beschreiben kann.



Die zweite Woche auf amerikanischem Boden war von endlosen Meilen auf menschenleeren Highways, freundlichen Gastgebern, alten Bekannten, der Erfüllung von Kindheitsträumen, noch viel mehr Essen und der ersten sportlichen Betätigung seit meiner Ankunft in Mississippi geprägt.

Freundliche Gastgeber erwarteten uns auf unserem Road Trip in Birmingham, Alabama.

Alte Bekannte aus meiner Mainzer Gemeinde traf ich dann in Nashville, Tennessee. Dort konnte ich mir dann auch endlich meinen Cowboyhut kaufen, den ich fortan voller Stolz trage.

Nach unserer Reise beginnt für mich nun das Studium in Clinton, Mississippi...

Die erste Amerika-Karte (die roten Staaten habe ich bereits besucht):

Sonntag, 8. August 2010

Willkommen... aber warum ist da niemand?

Hallo liebe Heimat.

Amerika. Wenn man so über die USA nachdenkt und spricht hat man schon in Deutschland viel zu erzählen und zahlreiche Gedanken. Viele glauben auch (und da nehme ich mich selbst nicht aus), dass sie sehr viel über dieses Land wissen. Betritt man amerikanischen Boden oder besser gesagt texanischen Boden, so ist jeder Gedanke obsolet.

Texas ist kein Eindruck es ist eine Erfahrung. Getreu dem inoffiziellen Staatsmotto „Everything is bigger in Texas“ wird einem die Umsetzung dieses Gedankens schon beim Verlassen des Fliegers eindrucksvoll vor Augen geführt. Vom Türknauf bis zur Kloschüssel ist alles in einer fast lächerlichen Dimension gefertigt, die einem das Gefühl verschafft ein Zwerg zu sein.

In Dallas, Texas hatte ich meinen ersten Zwischenstop auf meiner Reise durch dieses gigantische Land. Mit Max, dem anderen deutschen Austauschstudenten, an meiner Seite, hatte ich einige Stunden Zeit erste Eindrücke zu sammeln.

Im Moment ist der Süden der USA fest im Griff einer Hitzewelle, die die Temperaturen mancherorts an die 50-Grad-Marke steigen lässt. Unser erster Versuch ein bisschen frische amerikanische Luft zu schnappen scheiterte angesichts der unfassbar heißen Außentemperatur, die einen beim Verlassen des Flughafens merklich Richtung Boden drückte und einem das bekannte Gefühl des Aufgusses in einer deutschen Sauna verschaffte.

Wieder zurück im Flughafen, suchten wir zunächst nach einer Möglichkeit eine Email in die Heimat zu schicken, um das Vaterland über unsere geglückte erste Landung zu informieren. Beim anschließenden Schlendern durch die Gebäude des Flughafens prasselte eine Vielzahl von Gerüchen und Bildern auf mich ein, die, verstärkt durch die allerorts gehörten englischen Worte, ein gewisses Glücksgefühl aufkeimen ließen und mich selig lächelnd durch die langen und mit farbenfrohen Werbebotschaften versehenen Verkaufsmeilen des Airports schweben ließen. In Texas haben wir dann auch den ersten Burger unserer Reise gegessen und es sollte nicht der letzte Burger sein ...

Nach unsrer Landung in Jackson, Mississippi verflog die anfängliche Euphorie, als wir feststellen mussten, dass das geplante Begrüßungskomitee es nicht pünktlich zum Flughafen geschafft hatte. Als auch nach einer Stunde des Wartens, in einer inzwischen bis auf das Reinigungspersonal leeren Flughafenhalle, noch niemand gekommen war um uns einsame und müde Gestalten in der Fremde zu empfangen, entschlossen wir uns mit einem Taxi ins Hotel zu fahren.

Angekommen im Hotel, suchte der Blick sofort das Bett, welches auch in Mississippi sehr viel größer ist als im Rest der Welt. Nach einiger Zeit klingelte zunächst das Telefon und dann klopfte es an der Tür. Fröhlich lächelnd und mit einem Plakat bewaffnet blickten wir mit unsren müden Augen in die Gesichter zahlreicher amerikanischer Studenten, die uns in diesem Moment unsere erste große Lektion zum Verständnis von Pünktlichkeit im guten alten Süden erteilten.



Am nächsten Morgen bekamen wir und das sogar in preußischer Pünktlichkeit ein Frühstück bei McDonalds und eine Führung über den Campus in Clinton. Die eindrucksvollen Backsteinbauten, die teilweise sogar den amerikanischen Bürgerkrieg überdauerten, machten einen gepflegten und ruhigen Eindruck. Was mir in der Dunkelheit der Nacht noch entgangen war, das erkannte ich in grellen Sonnenlicht sofort.



Der Staat Mississippi ist überaus grün. Hohe alte Bäume, die in Gruppen beieinander stehen und durchzogen sind von satten Grünflächen, prägen das Stadtbild und wie selbstverständlich scheint die Natur in einer friedlichen Koexistenz mit der Zivilisation zu stehen. Eine Stadt im Süden der USA, aber vor allem in Mississippi ist keine Stadt wie sie der Deutsche aus Europa kennt. Gänzlich fehlen die engen Gässchen und die gedrungenen Häuser. Man sucht vergebens nach scharfen Kurven oder gar Bürgersteigen. In einer Stadt wie dieser gibt es keine Innenstadt, keine Einkaufsstraße oder Straßencafes, die beim Flanieren zu einer kurzen Rast einladen. Diese Stadt kennt nicht diese so deutsche Problem der Parkplatzsuche. Diese Stadt ist ein Parkplatz. Ein Parkplatz der liebevoll in einer atemberaubende Naturkulisse eingebetet nie erwacht, sondern immer schläft. Fährt man durch diese Stadt, so fühlt man sich nicht in einer Stadt. Häuser stehen weit so weit voneinander entfernt, dass man den Nachbarn besuchen fährt. Die Fläche zwischen den einzelnen Häusern gehört der Natur. Überhaupt fährt man überall hin. Einen Laden, der es einem nicht ermöglicht vom Autofenster aus eine Bestellung aufzugeben, findet man höchstens in der Mall. Dort verbringt man dann auch die Zeit außerhalb des Autos. Die Mall ist ein riesiger Komplex von kleinen Läden, die eingebetet in eine gigantische, mehrstöckige Halle mit dem selbstverständlichen Luxus einer Klimaanlage locken. Um der Hitze des Alltags zu entgehen, verbringt man die meiste Zeit mit Einkaufen und Essen oder eben im Auto.

Auf den schier endlosen Straßen, die in ihrer bestechenden Breite zur schnellen Fahrt einladen, kriecht der Amerikaner in seinen lachhaft großen und übermotorisierten Autos über den Asphalt. Das Auto ist in Amerika alles. Ohne ein Auto wäre man zumindest im Süden nicht in der Lage selbstständig zu überleben. Der Amerikaner liebt sein Auto, aber er sieht es als Gebrauchsgegenstand. Die liebevolle und oft von Sorgen um den Lack und den Innenraum genährte Angst, mit der man seinem Auto in Deutschland begegnet, ist dem Amerikaner fremd.

Am Montag beginnt unsre Reise durch Alabama und Tennessee...

Donnerstag, 15. Juli 2010

Good Bye Europe

Well, it´s been a while since I gave you the last information.
Es ist schon eine Weile her, seit ich euch das letzte mal informiert habe.

During the world cup in South Africa I became a flag waver again.

Recently I´ve traveled a lot in order to say good bye to my precious Europe.

Dank der Weltmeisterschaft konnte ich mich wieder ganz neu für mein Heimatland begeistern.

In der letzten Zeit war ich viel unterwegs um mich von Europa zu verabschieden.

I´ve been to Spain with my brothers.

Ich war mit meinen Brüdern in Spanien.

We´ve been walking around a lot until we got lost.

Dort sind wir solange durch die Gegend gewandert, bis wir verloren gingen.

But we finally made it to the beach.

Am Ende haben wir es aber doch noch an den Strand geschafft.

Joni and his baby brother Lucas right before sunset.

Joni und sein kleiner Bruder vor dem Sonnenuntergang am Strand.

Anyhow. After a great time in Spain we had to go back to Germany in order to see our soccer team win some more.

Trotzdem. Nach dieser großartigen Zeit in Spanien, mussten wir wieder zurück nach Deutschland um unsere Mannschaft anzufeuern.

And I´ve been to France.

Außerdem war ich noch in Frankreich.

Where I visited the WW I battlefields of Verdun.

Dort habe ich die Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges in der Gegend um Verdun besucht.

As I used to be a soldier myself, I´ve been especially excited about the artillery.

Da ich selbst ein Soldat war konnte ich mich besonders für die Artillerie begeistern.

Better speed up before the 90 year old ceiling is going down.

Man sollte sich besser beeilen, bevor einem die 90 Jahre alte Decke auf den Kopf fällt.

The last weeks have not only been fun. I also had to do a lot of paperwork in order to get my visa and other stuff.

But last week I finally got my visa. It´s official now. I´m leaving Germany on the 4th of August.

Nach einer anstrengenden Zeit werde ich am 4. August die Heimat verlassen.